Meine erste Woche in Südafrika
Sonntag 15.2..
Nachdem ich morgens in aller eile noch ein paar Sachen aussortiert habe, damit mein Koffer zugeht, hat Steffi mich zum Flughafen gefahren. An der Sicherheitskontrolle gab es leider einige Komplikationen, weil ich meine große 4D Maglite im Handgepäck hatte. Ich musste nochmal schnell nach draußen, sie abgeben und mich nochmal komplett durchchecken lassen. Als ich zur Passkontrolle kam, eilte mir schon eine Dame des Bodenpersonals entgegen, die die ganze Zeit "Ekkert!!" rief. Als ich dann im Flieger war, wurde direkt hinter mir die Tür zugemacht und es ging los. puh...
Zur selben Zeit (12:30) landen wir wieder in London.
Dort musste ich erst wieder durch eine Sicherheitskontrolle und musste mir dann die enorm lange Zeit bis 17:50 vertreiben. Ich hab mir die Geschäfte angeguckt, Postkarten geschrieben, gedöst usw. Außerdem habe ich eine irgendwie kuriose Britin kennengelernt und einen deutschen Vater mit Sohn, die nach Kanada ausgewandert sind.
Als ich dann endlich in den Flieger durfte, war mein erster Gedanke "Du hättest doch besser laufen sollen.". Es war wahnsinnig eng und neben mir saßen zwei Kinder, deren Eltern in einem anderen Block saßen, warum auch immer. Kurz nachdem ich dann doch eingeschlafen bin, wurde ich schon wieder wach, weil es Frühstück gab. Britisch Breakfast um 5 Uhr morgens in einem Flugzeug kurz vor der Landung... so eine Sache für sich.
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Donnerstag 19.2.
war ich mit Lucky bei einem Meeting des Department of Education (also Bildungsministerium), wo sich verschiedene NGOs (non govermental organisations) zum Thema Umwelt ausgetautscht haben. Das Meeting an sich war eher mittelmäßig interessant, aber es war in nem richtig schicken Hotel mit entsprechtend guter Verpfegung. Beim Essen habe ich dann auch noch ein paar interessante Leute kennengelernt: Eine Dame von Eco-School, die mir vielleicht vielleicht vielleicht ein Praktikum in Neuseeland klar machen könnte, einen Ranger mit guten Konnections zum Kurgerpark und und eine Autohändlerin mit grünem Daumen.
Freitag 20.2.
Heute habe ich Lucky in ein neues Township begleitet, wo er eine neue Pfadfindergruppe aufgemacht hat. Vorher mussten wir aber noch in Whiteriver ein Taxi organisieren, dass 7 der Kinder nach der Gruppenstunde zu einem der Camps fahren sollte, die dieses Wochenende stattgefunden haben. Wer glaubt, es sei einfach, ein Taxu zu bekommen, irrt sich. Hier funktioniert es wie folgt:
Auf dem sog. Taxirank in White River stehen unzählige VW Busse, die alle in bestimmte Richtungen fahren. Man muss sich nun das Taxi suchen, dass dahin fährt, wo man hin möchte, sich reinsetzen und hoffen, dass es schnell voll wird (15 "Plätze"), weil es sonst nicht losfährt - Ökonomie pur. Die Taxifahrer sitzen irgendwo im Schatten und geben von Zeit zu Zeit kund, wo sie hinfahren (z.B. "Hazyview, Hazyview, Hazyview!!!"), die Kunden laufen auf dem Platz rum und suchen, annoncieren ggf. ebenfalls so laut wie möglich, wo sie hinwollen. Zwischen den Taxis laufen noch Leute her, die alles Mögliche verkaufen.
Insgesamt hat man also einen Lärmpegel, wie auf einem Flughafen mit integriertem Türkischem Basar und Großdisco.
Nachdem Lucky ein Taxi klargemacht hatte (2 mal 20 km für 7 Personen 350 Rand) sind wir ins Township gefahren. Die Straße dorthin war wirklich abenteuerlich: Dirtroad incl. Schlaglöcher, unbeschrankter Bahnübergang und umgekippter LKW. Überraschenderweise hatte Lucky etwas zu besprechen und ich sollte die Gruppenstunde solange machen. Ich habe den Kindern "Fischer, Fischer, wie tief ist das Wasser?" beigebracht, was schwierig war, weil die Kinder kaum Englisch konnten. Letztendlich hat es aber doch geklappt und die Kinder hatten eine menge Spaß.
Danach sind wir mit den Kindern zur richtigen Straße hochgelaufen. Als Lucky den Taxifahrer anrief, dass er jetzt kommen könnte, meinte der, er könnte erst später kommen. Also habe ich die Kinder in zwei fuhren zum Campingplatz "Primkop Dam" gebracht. Auf dem Weg habe ich noch schnell meine Sachen geholt und bin dann gleich im Camp geblieben.
Samstag 21.2.
Am nächsten Morgen mussten alle um 5 Uhr aufstehn (grrrrr!), was für die Pfadfinder hier aber was ganz normales ist. Um 6 uhr war dann Bannerhissen angesagt, was sehr militärisch anmutete:
Alle stehen so angeordnet wie ein eckiges Hufeisen. Die Leiter stehen an dem offenen Ende, dort wo auch der Bannermast (viel kleiner als bei deutschen Pfadfindern) steht. Auf das Kommando "Camp on allert!" stehen alle stramm, dann marschiert einer aus der Teilnehmer Reihe im stechstritt bis zur Mitte, erst dann nach vorne zum Banner. Ca. 1 Meter vor dem Banner marschiert er kurz auf der Stelle und macht dann einen letzten, sehr großen Schritt zum Fahnenmast. Das Banner ist bereits hochgezogen, aber noch mit einem speziellen Knoten eingepackt, wenn man an der Leine zieht, öffnet es sich, und alle klatschen. Der Fahnenhisser marschiert den selben weg zurück.
Dann geginnt der sehr viel weniger offizielle Teil, der einer Morgenrunde bei den deutschen Pfadfindern ähnelt, allerdings wird nur und ausschließlich getanzt, und oder gesungen. Das läuft so, dass einer eien Takt vorgibt, den dann alle Mitklatschen, zwischendurch kommen Pfiffe oder es werden Sachen gerufen, die ich nicht verstehe. Dann geht einer in die Mitte, rennt ein bisschen herrum, tanzt ein bisschen und bringt die Menge zum ausflippen. Dann sucht er sich einen aus, zieht ihn mit auf die "Tanzfläche" und beide Tanzen. Dann geht der erste und der Zweite macht weiter. Es war ja so klar, dass ich als "Ehrengast" und einziger Weißer unter 300 Schwarzen nicht verschohnt bleiben würde und so kam es dann auch. Goodman kam auf mich zugerannt und nimmt mich mit. Aber ich habe mich wohl ganz gut geschlagen, erst recht für einen Deutschen um 6 Uhr morgens.
Nach dem Frühstück gab es dann einen sog. Hike, den man bei uns eher Stationsspiel nennen würde. Es gab verschiedene Stationen zu Themen wie "Observing Animals", "HIV/Aids" oder "Gender". Ich habe mit Goodman und Excelent die Station "Childrenrights" betreut. Nach und nach haben wir dann mit den verschiedenen Patrols (Pfadfindergruppe) über das Thema gesprochen und ein kleines Selbstbewusstseinstraining gemacht. Ich habe mir dabei wohl einen kleinen Sonnenstich geholt, sodass ich den Rest des Tages im Zelt verbringen musste.
Abends gab es dann das "Campfire". Im Gegensatz zu dt. Pfadfindern hat man nicht jeden Abend ein gemütliches Lagerfeuer mit Gitarrenmusik, denn man muss ja am nächsten Tag wieder um 5 Uhr aufstehen. Bei einem Campfire Abend bereitet jeder der will ein kleines Programm vor (Gesang, Theater, Geschichten...). Am Ende wurden wir Volunteers mit der Frage konfrontiert, ob wir denn auch was vorbereitet hätten. Da singen hier immer gut ankommt, habe ich den "Fahrradlenker" (beliebtes Lied aus unserem Stamm, einfach mitzusingen) gesungen - auf Englisch natürlich.
Nach dem Campfrie sind wir dann nach Hause gefahren, weil wir echt kaput waren.
Sonntag 22.2.
Bei all dem Stress haben wir das Büro und unsere Wohnung ziemlich unordentlich gemacht und müssen heute ein bisschen aufräumen. Und ich habe heute endlich Zeit, mal was an meiner Homepage zu machen.
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